Alte Ernährungsregeln gefährden Gesundheit

Alte Ernährungsregeln gefährden Gesundheit

Lebensmittelskandale, widersprüchliche Ernährungsempfehlungen, ständig neue Erkenntnisse der Wissenschaft: Manchmal weiß man nicht mehr, was man mit guten Gewissen noch essen soll. Im Zweifel informiert man sich dann bei Profis – zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE). Doch jetzt sind die Ernährungsregeln der DGE in die Kritik geraten. Sie seien veraltet und nicht unbedingt richtig, sagen Mediziner.

Hier der Link zum 5-minütigen Film des NDR-Fernsehens:

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Alte-Ernaehrungsregeln-gefaehrden-Gesundheit,ernaehrungsempfehlungen100.html

Empfehlungen auf gesunde Bürger zugeschnitten

Während die DGE zum Beispiel zum ausgedehnten Kohlenhydratverzehr und Verzicht auf Fett und Eiweiß rät, sind die Obergrenzen für den Gesamtfettanteil der Nahrung in den neuen US-Leitlinien abgeschafft worden. Gewarnt wird stattdessen insbesondere vor zu viel Zucker in Nahrungsmitteln. Die DGE beschränkt ihre Empfehlung auf gesunde Bürger – die Realität ist jedoch eine andere: Der überwiegende Anteil der Deutschen ist metabolisch nicht gesund und hat Probleme mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Etwa ein Drittel aller Deutschen hat zudem eine Insulinresistenz, also eine verminderte Insulinwirksamkeit. Die Folgen sind erhöhte Blutzuckerspiegel und eine zunehmende Leberverfettung.

Mittlerweile weiß man, dass eine kohlenhydratreiche Kost insbesondere für diese Menschen kontraproduktiv ist, da sie die Entwicklung von Diabetes fördert und das Abnehmen erschwert. Auch die von der DGE empfohlene Beschränkung des Eiweißanteils der Nahrung auf 10 bis 15 Prozent wird mittlerweile als riskant eingeschätzt. Denn insbesondere ältere Menschen haben einen höheren Proteinbedarf. Bereits ab dem 45. Lebensjahr verliert der Körper unabhängig von der Proteinzufuhr an Muskelmasse. Kommen äußere Faktoren wie Bettlägerigkeit oder die Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten dazu, ist der Verlust noch größer und daher ein höherer Proteinanteil notwendig.

Kritik an DGE-Rat zu fettreduzierten Lebensmitteln

Besonders kritisch betrachten die Experten den DGE-Rat zu fettreduzierten Lebensmitteln. In den neuen amerikanischen Leitlinien ist die Zufuhr an Fetten nicht mehr begrenzt. Studien haben gezeigt, dass der Konsum von ungesund geltenden gesättigten Fetten nicht, wie lange angenommen, zu einer Steigerung der Raten von koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Diabetes führt. Entgegen der bisherigen Annahme haben gesättigte Fettsäuren auch keinen Effekt auf das Verhältnis von gutem HDL- zu schlechtem LDL-Cholesterin. Auch der regelmäßige Verzehr von Eiern erhöht entgegen langjähriger Annahmen das Herzinfarkt-  und Schlaganfallrisiko nicht. Die Amerikaner haben daher die frühere Empfehlung von cholesterinarmen Nahrungsmitteln aus ihrer Leitlinie gestrichen.

DGE-Empfehlungen von Studie widerlegt

Eine große spanische Studie hat den Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit von Patienten mit einem kardiovaskulären Risiko untersucht. Eine Gruppe ernährte sich entsprechend der DGE-Empfehlungen mit fettarmer, aber kohlenhydratreicher Kost. Die anderen beiden Gruppen ernährten sich fettreicher – mit viel Olivenöl oder Nüssen. In den Gruppen mit der fettreicheren Ernährung konnten 30 Prozent weniger Herzinfarkte beobachtet werden als in der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse der Studie waren so eindeutig, dass sie vorzeitig abgebrochen wurde. Fazit: Der Fettanteil an der Ernährung sollte mindestens 40 Prozent betragen. Generell sind dabei mehrfach ungesättigte Fette den gesättigten vorzuziehen.

Prinzipiell empfehlen Ernährungswissenschaftler eine Ernährung aus Lebensmitteln mit geringer Energiedichte wie Gemüse, Obst und Salat, reichlich Proteinen aus Fisch, Fleisch oder Milchprodukten und gesunden Fetten aus Olivenöl, Nüssen oder Fisch. Günstig wirkt sich eine lange Kohlenhydratpause im Tagesverlauf aus. Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel sollten vorzugsweise in Form von Vollkornprodukten und am besten nur morgens und mittags oder nur mittags und abends konsumiert werden.


 

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